Was ist Parodontitis?
Parodontitis ist eine Entzündung, die durch
Bakterien verursacht wird und nachhaltig den Zahnhalteapparat schädigt.
Im Gegensatz zu Parodontits ist
Parodontose ein nicht-entzündeter Schwund des
Zahnhalteapparates.
Arten der Parodontitis
Es gibt die
apikale Parodontitis und die
marginale Parodontitis.
Bei der apikalen Parodontitis geht die Entzündung von der
Wurzelspitze aus. Die Hauptursache ist ein
marktoter Zahn. Es bleiben drei Therapiemöglichkeiten:
- Wurzelkanalbehandlung
- Wurzelspitzenamputation
- Entfernung des Zahnes
Bei der marginalen Parodontits geht die Entzündung vom Zahnfleisch aus.
Ursachen für die marginale Parodontitis
Ein zäher, klebender Biofilm (bakterieller Plaque) löst die marginale Parodontitis und auch die Gingivitis aus. Das Hauptmerkmal einer Parodontits ist ein nachweisbarer Knochenschwund (Atrophie). Der bakterielle Biofilm setzt schädliche Stoffwechsel- und Zerfallsprodukte frei, worauf das menschliche Immunsystem antwortet und unter anderem Enzyme freisetzt, die die schädlichen Stoffe beseitigen sollen aber dabei auch Eigengewebe zerstören. Dies führt zum Verlust von Knochen und Bindegewebe. Die Folgen der Reaktion des Immunsystem auf die schädlichen Abfallstoffe sind:
- Zahnfleischbluten
- Taschenbildung
- Zahnfleischrückgang
- Lockerung und Verlust der Zähne
Risikofaktoren
Das Immunsystem und dessen Reaktion auf bestimmte Bakterien spielen zwar die Hauptrolle bei Entstehung einer Parodontitis, trotzdem gibt es zusätzliche Faktoren:
- schlechte Mundhygiene
- Immunschwäche
- Zahnstein
- Plaque
- Mundatmung
- Tabbakrauch
- Piercings
- Diabetes
- oberflächige Zahnkaries
- unausgewogene und schlechte Ernährung
Verlauf
Parodontitis verläuft meistens chronisch, schmerzfrei und schubweise. Sie tritt vorwiegend bei älteren Menschen auf und führt in der Regel zu einer Lockerung der Zähne. Normalerweise schützt das Saumepithel (Zahnfleischrand) den Zahnhalteapparat vor den schädlichen Bakterien, aber wenn das Saumepithel beschädigt ist können die Bakterien den gesunden Zahnhalteapparat ungehindert angreifen. Das Immunsystem des Menschen bildet zur Abwehr der Bakterien einen Schutzwall, unter anderem aus Osteoklasten, welche normalerweise zum gezielten Knochenum- und abbau vom Körper eingesetzt werden. Werden die Bakterien vom Immunsystem nicht gestoppt und wirken auf lange Zeit auf den Zahn ein, werden folglich große Mengen an Osteoklasten gebildet und schädigen so den Zahnhalteapparat nachhaltig. Der Krankheitsverlauf wird wegen seines langsamen und anhaltenden Status als chronische Parodontitis bezeichnet.
Anzeichen einer Parodontitis
- Zahnfleischbluten
- Rötung
- Schwellung
- Eiter am Zahnfleisch
- Mundgeruch
- Zahnlockerung
- Zahnfleischrückgang
Therapie
Bei der Therapie gegen Parodontitis werden auslösende Faktoren wie Plaque und Zahnstein entfernt.

1. Therapiephase
Hier wird eine Diagnostik der Parodontitis auf Art, Verlauf und Schwere gemacht. Bei der Diagnostik werden der allgemeine Gebisszustand, die Verankerung der Zähne, Zahnfleischtaschen, Zahnfleischrückgang und die Mundhygiene des Patienten kontrolliert. Selten werden zusätzlich mikrobiologische und genetische Tests durchgeführt.
2. Therapiephase
Hier wird die Mundhygiene wieder hergestellt. Es müssen alle harten und weichen Ablagerungen auf den Zähnen entfernt werden (Zahnarztsitzung mit professioneller Zahnreinigung). Bei diesen Sitzungen wird dem Patienten zusätzlich die Anwendung einer richtigen Zahnreinigung für Zuhause beigebracht. Auch Spülflüssigkeiten und Medikamente können eine stetige Vermehrung der Bakterien reduzieren. Durch diese Hygienemaßnahmen kann vielen Erkrankten ausreichend geholfen werden und die Parodontitis beseitigt werden.
3. Therapiephase
Die so genannte geschlossene Behandlungsphase beinhaltet die Entfernung aller harten und weichen Beläge unterhalb des Zahnfleisches. Dies kann auf herkömmliche Art mit speziell geformten Instrumenten oder mit einem speziellen Laser geschehen. Hier erfolgt eine Kontrolle der Behandlung nach zwei bis drei Wochen Heilzeit.
4. Therapiephase
Wenn die Hygienemaßnahme der 3. Phase nicht ausreichen, weil die Zahnfleischtaschen tiefer als 6mm sind, muss zur offenen Behandlungsphase übergegangen werden. Hierbei werden die gefährdeten Bereiche chirurgisch geöffnet, so dass die Bereiche offen sichtbar sind und so besser gereinigt werden können. Es ist zusätzlich möglich die geöffneten und gesäuberten Knochenbereiche, die schon beschädigt worden sind, mit Knochenersatzmaterialien zu füllen.
Bei aggressiver und schnell verlaufender Parodonitits kann es sinnvoll sein, die Behandlungen durch Zuhilfenahme von Antibiotika zu unterstützen. Es wurden bislang fünf mikrobiologisch verschiedene Bakterientypen festgestellt. Für zwei Typen ist eine Unterstützung der Behandlung durch Antibiotika nötig. Hierzu ist allerdings eine genaue Keimbestimmung notwendig. Eine Therapie, die ausschließlich mit Antibiotika, durchgeführt wird macht allerdings keinen Sinn, denn die Bakterien sind durch einen Biofilm vor dem Medikament geschützt.
Prognose
Wird eine Parodontitis rechtzeitig erkannt und behandelt kann sie so gut wie immer erfolgreich behandelt werden. Zu beachten ist, dass wenn eine Parodontitis ausbricht, immer die natürliche Schutzfunktion des Zahnes versagt hat und dies deutet oft auf eine mangelnde Mundhygiene des Patienten.
Die Parodontitis ist ein Risikofaktor für allgemeinmedizinische Erkranken und kann zu Herzinfarkten, rheumatischen Erkrankungen und sogar Frühgeburten führen.
Parodontitisprophylaxe
Die Parodontitisprophylaxe sollte in regelmäßigen Abständen wiederholt werden, um einer erneuten Erkrankung vorzubeugen. Zusätzlich sollte man täglich auf eine gründliche Reinigung der Zähne, des Zungenrückens und der Zahnzwischenräume achten. In der Regel ist es zu empfehlen, jedes halbe Jahr eine professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt durchführen zu lassen. Dieses Intervall sollte bei erhöhtem Risiko, z.B.: Schwangerschaft, Diabetes, Stress,… verkürzt werden, um rechtzeitig auf die Parodontitis reagieren zu können.
Um den meist sehr kostenintensiven Folgen eines Zahnverlustes vorzubeugen, sollte vermehrt auf die Vorbeugung, Diagnose und Behandlung der Parodonitits eingegangen werden. Ein Großteil der Bevölkerung ist irgendwann betroffen, deshalb spricht man auch von einer „Volkskrankheit“. Im Durchschnitt gehen bei Menschen, fortgeschrittenen Alters, mehr Zähne durch Parodontitis verloren, als durch den Befall von Karies.